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Die Meiji-Zeit

Aufstieg zur Großmacht: Die Meiji-Zeit (1868-1912)

Restauration der Tennomacht und Erneuerung

Meiji-Reform Durch die Meiji-Reform, die 1868 einsetzte, wandelte sich Japan von einem isolierten, feudal strukturierten Staat in eine konstitutionelle Monarchie und zum führenden Industrieland Asiens. Auch die bildenden Künstler wandten sich von den traditionellen Formen und Inhalten ab. Sie präsentierten in ihren Werken einem ratlosen Publikum die neuen Wunder des Meiji-Japan, wie die hier dargestellte Dampflokomotive in Yokohama, dem wichtigsten Hafen für den Handel mit dem Westen.Library of Congress

Mutsuhito, der nach einem Jahrtausend der politischen Bedeutungslosigkeit des Tennos die Macht des Kaisertums erneuerte, stellte seine Regierungszeit unter das Motto Meiji („Erleuchtete Regierung”) und nahm als Tenno den Namen Meiji an. Die kaiserliche Residenz wurde dauerhaft nach Edo verlegt, das zugleich Regierungssitz wurde und den neuen Namen Tokyo („östliche Hauptstadt”) erhielt. Am 6. April 1868 verkündete Mutsuhito in der so genannten Eidescharta der Fünf Artikel die Prinzipien, nach denen Japan den Weg in die neue Zeit beschreiten sollte. Als Ausdruck der Restauration des Kaisertums wurde der Shintoismus, in dem der Tenno als Gott verehrt wird, 1868 zur Staatsreligion erklärt.

Die in den folgenden Jahren durchgeführten so genannten Meiji-Reformen unter dem Motto „Reiches Land, starke Armee” waren darauf angelegt, Japan in den Kreis der Weltmächte einzureihen. Dabei folgte die kaiserliche Regierung dem Vorbild der USA und der unterdessen industrialisierten europäischen Staaten, insbesondere im Verfassungssystem, in Verwaltung und Militär (Vorbild: Preußen), im Justizwesen (Frankreich) und im Bildungswesen (USA). Hierfür zog sie westliche Experten heran und ließ ihre eigenen hohen Beamten im Ausland schulen. Das große Meiji-Reformwerk bildete die Grundlage für den modernen japanischen Staat und seine wirtschaftliche Modernisierung.

Gesellschaftliche Veränderungen, wirtschaftlicher Aufbruch

1871 wurde das Lehenssystem formell aufgelöst, der besitzende Adel damit entmachtet. Präfekturen traten an die Stelle der bisherigen Territorialherrschaften. Die bisherigen Lehnsherren, die Daimyos, wurden jedoch teilweise dadurch entschädigt, dass sie wichtige Positionen in der neuen, zentral organisierten staatlichen Verwaltung erhielten. Die starren Klassenschranken und die Privilegien der Stände wurden aufgehoben, u. a. durch ein neues Steuersystem (1873) sowie die Einführung der Schulpflicht (1872) und der allgemeinen Wehrpflicht (1873). Den Widerstand der Samurai gegen die Abschaffung ihres Standes brachen die kaiserlichen Truppen 1877 mit Gewalt.

Zu den weiteren Neuerungen gehörten die Einführung des gregorianischen Kalenders (1873) und einer neuen Währung. Mit der Modernisierung des Postwesens und dem Bau der Eisenbahn (die erste Strecke von Yokohama nach Tokyo wurde 1872 fertig gestellt) vollzog sich, staatlich gelenkt, eine rasante Industrialisierung.

Modernisierung von oben

Die Änderungen im politischen System Japans und alle anderen Modernisierungen waren Ergebnis einer „Revolution” von oben, an der die breite Masse und ihre politischen Bewegungen nicht beteiligt waren. Treibende Kräfte waren vielmehr die Oligarchen aus den Provinzen Choshu und Satsuma, die den Sturz des Tokunawa-Schogunats herbeigeführt hatten und nun eine führende Rolle in der Regierung und am kaiserlichen Hof spielten. Zu ihnen gehörten die „Drei Helden” der Meiji-Reformen, Okubo Toshimichi, Saigo Takamori und Kido Takayoshi.

Die Lage der Bauern als größter Bevölkerungsgruppe verbesserte sich durch die Reformen zunächst kaum. Nach wie vor hatten sie die größte Steuerlast zu tragen, und die so genannten Reisaufstände dauerten bis in das 20. Jahrhundert hinein an.

Als ersten Ministerpräsidenten setzte der Tenno 1885 Ito Hirobumi ein, der als einer der Gründungsväter des modernen Japan gilt. Bei der Ausarbeitung der 1889 in Kraft getretenen Verfassung orientierte er sich im Wesentlichen am preußisch-deutschen Vorbild. Nach dieser Verfassung verblieb dem Tenno, der in seinem gottähnlichen Status über dem Gesetz stand, im Rahmen der konstitionellen erblichen Monarchie eine große Machtfülle: Er war militärischer Oberbefehlshaber, erließ in Abstimmung mit dem Parlament die Gesetze und regierte mit Hilfe des Ministerpräsidenten, der den Ministern vorstand. Ähnlich wie nach der Verfassung des Deutschen Reiches war das Kabinett nicht dem Zweikammerparlament, sondern dem Monarchen verantwortlich. Das Zensuswahlrecht begrenzte den Anteil der Wahlberechtigten auf nur etwa 1 Prozent der Bürger. 1881 hatte sich die Liberale Partei (Jiyuto), 1889 die Konstitutionelle Reformpartei (Kaishinto) gegründet.

Die neue japanische Verfassung bot größere individuelle Freiheiten als das Tokugawa-System und sicherte erstmals das Privateigentum. Die Grenzen der Exekutivgewalten waren jedoch unklar, und das Militär behielt durch sein Vetorecht bei der Kabinettsbildung eine einflussreiche politische Stellung. Bei den ersten Unterhauswahlen im Juli 1890 errangen die Liberale Partei und die Reformpartei gemeinsam die absolute Mehrheit, blieben jedoch von der Regierungsbildung ausgeschlossen. Der vom Kaiser ernannte Regierungschef Fürst Yamagata Aritomo arbeitete stattdessen mit den Abgeordneten der Gesellschaft für große Errungenschaften (Taiseikai) und solchen anderer Parteien zusammen.

Japanischer Imperialimus

Friede von Portsmouth An Bord eines US-Kriegsschiffes im Hafen von Portsmouth (New Hampshire) verhandelte der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt (Mitte) mit russischen und japanischen Diplomaten über einen Friedensschluss zur Beilegung des Russisch-Japanischen Krieges. Das Abkommen, das schließlich am 5. September 1905 unterzeichnet wurde, sprach Japan die Südhälfte der Insel Sachalin zu sowie Territorien auf dem asiatischen Festland und etablierte Japan damit als neue imperialistische Macht.Corbis/Library of Congress

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts folgte Japan dem Vorbild des Imperialismus der westlichen Großmächte und zielte auf eine Ausweitung seines Machtbereichs. Wirtschaftliches Motiv war dabei vor allem die Rohstoffarmut des Landes. 1879 annektierte es die Ryukyu-Inseln, die seit 1609 unter japanischem Protektorat standen. Der Konflikt um die Kontrolle über Korea löste 1894 den 1. Chinesisch-Japanischen Krieg aus, den Japan dank seiner modernisierten Streitkräfte rasch für sich entschied. Im Frieden von Shimonoseki vom April 1895 musste China die Unabhängigkeit Koreas anerkennen, das Japan jedoch schnell unter seine Vorherrschaft brachte; zudem musste China Taiwan (Formosa) sowie die Pescadores-Inseln an Japan abtreten und darüber hinaus Reparationszahlungen leisten.

Die zunächst ebenfalls vereinbarte Übergabe der Liaodong-Halbinsel an Japan verhinderten Russland, Frankreich und Deutschland, die damit Japan erstmals als imperialistischen Konkurrenten in seine Schranken verwiesen. 1899 erreichte Japan die Aufhebung der letzten aus den „Ungleichen Verträgen” stammenden Exterritorialrechte der ausländischen Mächte.

Durch seine Interessen in Korea und Nordostasien geriet Japan unweigerlich in Konflikt mit Russland. Im Zuge der Niederschlagung des Boxeraufstands in China 1900 besetzte Russland die Mandschurei. Nachdem Japan sich 1902 durch einem Defensivbündnis mit Großbritannien abgesichert hatte und Verhandlungen mit Russland über Korea und die Mandschurei erfolglos geblieben waren, griff es im Februar 1904 den von Russland gepachteten Hafen Port Arthur (siehe Dalian) auf der Liaodong-Halbinsel an und löste damit den Russisch-Japanischen Krieg aus. In weniger als eineinhalb Jahren besiegte Japan die etablierte Großmacht Russland.

In dem 1905 von US-Präsident Theodore Roosevelt vermittelten Friedensvertrag von Portsmouth (USA) erhielt Japan von Russland die Rechte an der südmandschurischen Eisenbahn, die Pachtrechte an der Liaodong-Halbinsel und an Guangdong sowie die Südhälfte von Sachalin. Darüber hinaus anerkannte Russland die Kontrolle Japans über Korea. Fünf Jahre später (1910) unterwarf Japan Korea durch Annexion vollständig; Anlass hierfür war die Ermordung von Ito Hirobumi kurz nach seinem Rücktritt als Generalgouverneur in Korea durch einen koreanischen Nationalisten.


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